Liebe ForenteilnehmerInnen,
Ich habe 2009 eine Masterthesis zum Thema "Systemische Soziale Arbeit in der Gemeindepsychiatrie. Eine Untersuchung zu Modellen, Handlungsorientierungen und Methoden psychosozialer Beratung in Frankfurt am Main" erstellt.
Ich bin bereit, hierzu meine Erfahrungen und Ergebnisse der Arbeit auszutauschen.
Viele Grüße,
Bernd Steigerwald
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Liebe Frau Haase,
Es gibt ja Fachleute zu systemischer Sozialarbeit, wie etwa Wolf Richter, Wilfried Hosemann, Johannes Herwig-Lempp oder Walter Milowiz, die sicherlich auch gerne Defintion zu "systemischer Sozialarbeit" mitteilen.
Ich würde systemische Sozialarbeit folgendermaßen definieren:
Sozialarbeit ist dann systemisch, wenn sie auf den beiden Grundpfeilern systemischen Arbeitens fusst, diese sind: Systemtheorien der Selbstorganisation und Konstruktivismus. Systemtheorien der Selbstorganisation sind etwa die Synergetik oder die Theorie autopoietischer Systeme. (Diese beiden Theorien werden sehr gut erklärt in: Kriz, J. (1999): Systemtheorie für Psychotherapeuten, Psychologen und Mediziner. Wien: Facultas). Für empirische Arbeiten eignet sich sehr gut dia Selbstorganisationstheorie der Synergetik, da sie Konzepte bereit stellt, die Ansatzpunte zur Operationalisierung und theoretischen Einfassung des eigenen zu beforschenden Gegenstandsbereich bieten, wie etwa das Konzept der Kontroll- und Ordnungsparameter, das Konzept von Musterbildungsprozessen auf Mikro-, Meso- und Makroebene (dies wird recht anschaulich beschrieben bei Tschacher, W. (1996): Interaktion in selbstorganisierten Systemen. Assanger-Verlag).
Sie können den systemischen Ansatz aber auch schlagwortigartig folgendermaßen fassen (nach v.Schlippe und Schweitzer (2009): Systemische Interventionen. Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht):
1. Ein Problem ist kein Ding an sich (interaktive und kommunikative Kontextualisierung von Problemen, Störungen, Krankheiten)
2. Wirklichkeit wird sozial konstruiert (Konstruktivismus, Sozialer Konstruktionismus, Narrativismus)
3. Selbstorganisation: Dynamik und Komplexität (Systemtheorien)
4. Erkundung von Ressourcen (Lösungs- und Ressourcenorientierung)
5. Gestalten von Kooperationsbeziehungen
6. Wertschätzung und Würdigung
Wenn Sie diese Aspekt als theoretische Grundlage Ihrer Arbeit verwenden, kann eigentlich nicht viel schiefgehen...
Soviel für heute erst einmal, schreiben Sie gerne wieder für weitere differenziertere Fragen, ich versuche zeitnah zu antworten...
Beste Grüße,
Ihr
Matthias Ochs