Ich arbeite in einer Jugendhilfe-Einrichtung, wir bieten u. a. als eine Form der ambulanten Hilfe Systemische Familientherapie an. Nun entsteht die Frage nach der Messung/dem Nachweis der Wirksamkeit, hier gibt es natürlich unterschiedliche Sichtweisen, was wirksam ist, wie z. B. die Zufriedenheit der Familien, der Erhalt der Familie, die Vermeidung der Herausnahme eines Kindes, keine weitere Inanspruchnahme von Hilfe über das Jugendamt u. a. Gibt es Erfahrungen mit diesen Fragestellungen, gibt es Fragebögen hierzu?
Evaluation zur Wirksamkeit von systemischer Familientherapie in der Jugendhilfe
Sehr geehrter Dr. Ochs, vielen Dank für Ihre Information, ich werde mich in den nächsten Tagen auf Recherche-Reise ins Internet begeben und mich gegebenfalls nochmals melden. Grüße von
Dipl.-Psych. Gabriele Bachem-Böse
Systemische Familientherapeutin
Jugendhilfe Creglingen
Riemenschneiderbrücke 6
97993 Creglingen
Tel: 07933 - 92 22 20
mobil: 0162 236 89 91
email: gabriele.bachem-boese@jugendhilfe-creglingen.de
www.jugendhilfe-creglingen.de
Hallo Frau Bachem-Böse,
Hier noch zwei Literturangaben zu Ihrer Frage... Beste Grüße!
M. Ochs
Titel: Prozess- und ergebnisorientierte Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe
Autor: Cammenga, Tido
In: Lösungen im Jugendstil. Systemisch-lösungsorientierte Kreative Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Vogt-Hillmann, Manfred (Ed.); Burr, Wolfgang (Ed.); pp. 65-91. Dortmund : Borgmann. 2002.
Abstract: Ausgehend von Unterschieden zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen der Qualitätskontrolle wird deutlich gemacht, wie in Einrichtungen der Jugendhilfe die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität bestimmt werden kann. Ein "Ziel-11-Punkte-Plan" wird als Instrument der Qualitätsentwicklung in diesem Bereich vorgestellt, mit dem auf der Basis einer systemisch-konstruktivistischen Grundhaltung und unter Berücksichtigung lösungsorientierter Prinzipien eine zielgerichtete und strukturierte Planung und reflektierende Analyse der pädagogischen und therapeutischen Arbeit erfolgen kann. Im "Ziel-11-Punkte-Plan" werden unter anderem Rahmenbedingungen der beratenden Arbeit, Zielformulierungen und ihre Bewertung, Kriterien für die Zielerreichung, Verfahrensweisen zur Unterstützung des Klienten, Maßnahmen zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung und Bewertungen der erreichten Ergebnisse in einem Formular erfasst. Sein Einsatz sowie die handlungsleitenden Fragen werden an Fallbeispielen illustriert. Abschließend wird deutlich gemacht, wie durch dieses Instrument Schwächen und Potentiale von Einrichtungen der Jugendhilfe aufgedeckt werden können.
Titel: Jugendhilfe-Effekte - Einführung in den Themenschwerpunkt
Autoren: Petermann, Franz; Schmidt, Martin H.
In: Kindheit und Entwicklung, 9, (4), pp. 197-201. 2000.
Abstract: Ausgehend von einer tabellarisch vorgenommenen Systematisierung unterschiedlicher Formen der Jugend- und Erziehungshilfe wird ein Überblick über den Stand der Evaluationsforschung in der Jugendhilfe gegeben. Die aus der Komplexität der durchgeführten Maßnahmen sowie den in der Regel retrospektiv angelegten Designs resultierenden Probleme in Bezug auf begriffliche Präzisierungen, Mess- und Bewertbarkeit werden vor dem Hintergrund zweier vorgestellter Studien reflektiert. In der JULE-Studie wurde die Wirksamkeit unterschiedlicher Hilfeformen auf der Grundlage retrospektiv vorgenommener Aktenanalysen von 284 Fällen bewertet. Die JES-Studie untersucht in Zusammenarbeit mit mehreren Jugendämtern über einen Zeitraum von fünf Jahren empirisch die Effekte und Leistungsfähigkeit ausgewählter Erziehungshilfeformen. Die vorläufig vorliegenden Ergebnisse unterstützen die Orientierung im Geflecht regionaler und institutioneller Versorgungsstrukturen, quantifizierten Hilfeleistungsmerkmalen und familien- sowie kindspezifischen Problemkonstellationen im Prozess institutionalisierter Hilfe. Insgesamt kann dabei die generelle Leistungsfähigkeit der Jugendhilfe aufgezeigt werden.
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Sehr geehrter Gast,
Ich habe zum Thema zwei Artikel gerschrieben, in denen Aspekte Ihrer Frage beantwortet werden:
Ochs, M. (2008) Kooperation und Partizipation als Kernprozesse in der Jugendhilfe- systemische Folgerungen aus JULE; JES; EVAS und Co.. Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung, 26 (3)
Ochs, M. & Lemme, M. (1998): Kundenzufriedenheit in der Jugendhilfe. In: E.J. Brunner, P. Bauer, S. Volkmar (Hg.), Soziale Einrichtungen bewerten. Theorie und Praxis der Qualitätssicherung (135-155). Freiburg i. Br. (Lambertus).
Zudem empfehle ich die Internet-Seite www-wirkungsorientierte-jugendhilfe.de. Dort finden Sie Bände zum downloaden, vor allem in den ersten Bänden finden Sie Forschungsbefunde und Studien zu familienorientierten Interventionen in der Jugendhilfe. Zu Bedenken gilt auch, dass die meißten familienorientierten Maßnahmen in der Jugendhilfe nicht unter dem label "systemisch" firmieren, aber dennoch häufig defacto systemische Elemente aufweisen...
Ich werde nochmals ausführlicher recherchieren und Ihnen hier im Forum nochmals antworten.
Beste Grüße,
M. Ochs